Theater mit allen Sinnen erleben
- Paten bringen Kinder ins Schauspiel und ins Ballett
von Dr. Stefan Müller (26.10.11 -
Generalanzeiger)
Nicht jedem Kind und Jugendlichen
ist möglich, seine Freizeit nach eigenem Gutdünken zu
verbringen und in
kulturelle Bahnen zu lenken. Denn nicht nur Zeit gehört zur
Ausgestaltung dazu,
sondern in vielen Fällen auch das Geld und ein wenig Initiative
von außen.
„Viele Kinder waren aus den unterschiedlichsten Gründen noch nicht
in einem
Sin-
foniekonzert, einem Schauspiel oder einem Ballett", sagt Michel Redlich
vom Freundeskreis Schauspiel des Theaters Magdeburg. Sein Verein sowie
der
Freundeskreis Ballett und der Förderverein des Theaters Magdeburg
haben seit
dem Frühjahr am Aufbau des Programms „Theaterpaten" gearbeitet,
das nun in
die Tat umgesetzt wird. Ziel ist, so viele junge Menschen wie
möglich für
Kultur zu begeistern. „Dabei wollen wir den Theaterbesuch nicht zu
einem
Pflicht-ereignis machen, sondern setzen auf die Freiwilligkeit der
Teilnehmer." Denn nur so sei die Grundlage für eine positive
Einstellung
zum ganzen Unternehmen auch gewährleistet. „Wir wollen weg vom
Theaterimage,
das an der Schule vorherrscht", erklärt Beatrix Franzkowiak vom
Förderverein, „wir wollen und können den Mädchen und
Jungen zeigen, dass das
Geschehen auf der Bühne auf der einen Seite viel Arbeit bedeutet,
auf der
anderen Seite aber auch eine Menge Spaß. Da wird Szenen und
Charakteren ein
besonderes Leben eingehaucht, wie das eben nur auf der Bühne
möglich ist."
An all dem sollen die Kinder und Jugendlichen teilhaben – etwas
erleben, das
sie vorher noch gar nicht kannten oder von dem sie nur vage
Vorstellungen
hatten.
Darüber hinaus
soll das Thema Theater und all
seine Facetten in den Alltag der Schülerinnen und Schüler
einfließen: „Ein
Ballettbesuch ist gut und schön, aber wir möchten, dass das
zu einem
kontinuierlichen Ereignis wird, dass sich verschiedene Besuche im
Opern- und
Schauspielhaus anschließen und wir mit etwas Glück die
Theatergänger von morgen
an unserer Seite haben", erklärt Dörte Müller vom
Freundeskreis Ballett.
Eine kontinuierliche Begleitung oder eine Vor- und Nachbereitung der
Besuche
wird durch die Theaterpädagogen gewährleistet.
Als Erstes haben sich
die Mitstreiter den
Förder- und Sonderschulen (Comenius, Kästner, Makarenko und
Grimm) zugewandt.
Die Theaterpaten kümmern sich nicht nur um die Eintrittskarten,
sondern
beispielsweise auch um die Fahrkarten zum Aufführungsort. „Die
Fördervereine
haben die Anschubfinanzierung sichergestellt – es geht unter anderem in
den
„Nussknacker", in „Die Geschichte von Lena" und ins
Weihnachtsmärchen
–, wir brauchen aber kleine und große (finanzielle) Hilfe von
außen, um das
Projekt am Laufen zu halten. Werden Sie bitte Pate!", wendet sich
Michel
Redlich an alle Magdeburger und Umlandbewohner. Ein Spendenkonto wurde
unlängst
eingerichtet. Wenn sich das Projekt weiterentwickelt, sollen auch im
Umland
Mädchen und Jungen für den Besuch von Theater und Ballett
begeistert werden.
Wer sich diesen nicht leisten kann oder für den bisher keine
Brücke zur Kultur
gebaut worden ist, soll dann von den Theaterpaten und ihren
ehrenamtlichen
Helfern profitieren. „Wir greifen die Kinder und Jugendlichen am Beginn
ihrer
Persönlichkeitsentwicklung auf und wollen auf die positiven
Aspekte eines
kulturvollen Lebens aufmerksam machen", ergänzt Beatrix
Franzkowiak.
Auf der Internetseite
www.theaterpate.de sind
alle wichtigen Informationen zum Projekt der Fördervereine
aufgeführt. Dort ist
auch die Kontoverbindung für Spenden zu finden.
Theaterpaten ermöglichen
Theaterbesuche von Florian Schreiter (26.10.11 - Magdeburger
Nachrichten)
Zahlreiche Kinder
und Jugendliche haben während ihrer
Schulzeit keinerlei Berührungspunkte zum Theater. Dabei
stärken Theaterbesuche
das Verständnis für Sprache, fördern die eigene
Kreativität, regen zu
Diskussionen an und bereichern das Leben. Oftmals liegt es aber nicht
am
mangelnden Interesse, sondern an fehlenden finanziellen Mitteln.
Hier möchte das Projekt „Theaterpaten“ Abhilfe schaffen, indem es
benachteiligte Jugendlichen Theaterbesuche ermöglicht
. Vertreter
der
Initiatoren, der Theaterpädagogik des
Theaters Magdeburgs, Lehrer und Schüler stellten in der
Makarenkoschule das
Projekt „Theaterpaten vor und berichteten von ihren ersten Erfahrungen.
Gemeinsam mit
Schulen, Kinderheimen und Vereinen werden Theaterbesuche organisiert,
die Hin-
und Rückfahrt bezahlt und die gesehenen Stücke nachbereitet.
Das Projekt ist eine gemeinsame Aktion des Fördervereins und der
Freundeskreise
des Theaters Magdeburg.
In einer Pressekonferenz am Dienstag wurde in der Makarenkoschule das
Projekt
vorgestellt. Die Makarenkoschule gehört neben der Comeniusschule,
Gebrüder
Grimm Schule, Erich Kästner Schule, dem Kinderheim Magdeburg
Kannenstieg und
der Jugendgruppe der Freiwilligen Feuerwehr in Wanzleben zu den ersten
Nutznießern des Projektes.
„Wir wollen das Theater für die Jugendlichen erlebbar machen“,
sagte Beatrix
Franzkowiak, Vorsitzende des Fördervereins Theater Magdeburg. Es
solle auch die
Möglichkeit geben hinter die Kulissen zu schauen. Das Theater
Magdeburg
unterstützt das Projekt, zum Beispiel durch
theaterpädagogische Angebote und
Werbung.
„Die Generalintendantin Karen Stone ist sehr an dem Erfolg der
Theaterpaten
interessiert“, betont Michel Redlich, Vorsitzender Freundeskreis
Schauspiel
Magdeburg. Finanziert wird das Projekt neben Zuwendungen der Stadt
Magdeburg
hauptsächlich aus Spenden. Das Projekt soll weiter ausgebaut
werden. Die ersten
Erfahrungen seit Anfang Oktober seien sehr positiv. Das Angebot werde
von den
Jugendlichen gut angenommen.
Mehr Kinder ins Theater - Paten engagieren
sich
von Silke Katenkamp und Petra Buch (25.10.11 - mz-web.de)
In
Sachsen-Anhalt kann sich nicht jede Familie einen Besuch im Theater
leisten.
Mädchen und Jungen haben auch nicht immer Lust darauf. Das soll
sich ändern.Magdeburg - Weg vom Computer in der
Freizeit, rein in den Theatersessel
- und am Geld soll das möglichst auch nicht scheitern: Kinder und
Jugendliche
sollen in Magdeburg und Umgebung künftig die Möglichkeit
haben, regelmäßig ins
Theater zu gehen. Drei Fördervereine haben dazu das Projekt
«Otto ist
Theaterpate» gestartet. Es will Schulen als Paten gewinnen und
den Schülern
dann Theaterbesuche finanzieren, sagte der Vorsitzende des
Freundeskreis
Schauspiel, Michel Redlich, am Dienstag bei der Vorstellung der
Initiative.
Hintergrund
sei, dass viele Schüler in Sachsen-Anhalt überhaupt keine
Berührungspunkte zum
Theater hätten - und noch nie in einer Vorstellung waren.
«Das hat finanzielle
Gründe, aber nicht nur», sagte Redlich. Oft scheitere ein
Theaterbesuch auch an
der Fahrt oder ganz einfach an mangelnder Information über
bestehende Angebote.In der Modellphase seien zunächst
vier Förder- und Sonderschulen, ein
Kinderheim und die Freiwillige Feuerwehr Wanzleben beteiligt. Das Geld
für die
ersten Theaterbesuche - für Fahrt und Eintrittskarten - komme von
den
Theatervereinen. Langfristig, und um mehr Schulen das Angebot zu
ermöglichen,
sei man jedoch auf Spenden angewiesen, sagte Redlich.
Eine
Klasse der Gebrüder Grimm Schule mit rund 50 Schülern werde
am Donnerstag die
erste Aufführung am Schauspiel Magdeburg besuchen. In dem
Stück «Lena» gehe es
um das Thema Mobbing. Neben Theateraufführungen sollten die
Schülern aber auch
die Möglichkeit haben, Proben zu besuchen oder bei Führungen
Einblicke etwa in
die Maske oder den Fundus zu bekommen, sagte die stellvertretende
Vorsitzende
des Freundeskreises Ballett, Dörte Müller. «Unser Ziel
ist es, den Schülern das
Theater als eine Chance zu vermitteln, seine Freizeit zu
verbringen.Ȁhnliche Projekte sind in Sachsen-Anhalt
wohl eher selten. Das Projekt
«Max geht in die Oper» der Bürgerstiftung in Halle
etwa bringt Erwachsene als
Paten mit Kindern aus finanziell schwachen Familien zusammen. Innerhalb
von
zunächst sechs Monaten sollen sie gemeinsam mit anderen
Patenpaaren vier
verschiedene kulturelle Veranstaltungen besuchen, etwa Theater, Museum,
Oper,
Kino, Ausstellung oder Planetarium. Die Eintrittskarten bezahlen in der
Regel
die Paten.
In
anderen Städten verweisen Theater auf ermäßigte
Eintrittskarten für Kinder.
Beim Theater der Altmark in Stendal etwa liegen die Preise für
Kinder bei drei
bis sieben Euro, sagte Sprecherin Claudia Klupsch. Freitags
könnten sie zudem
beim «Kunstkoffer» kostenlos basteln, malen und werkeln.Am Anhaltischen Theater Dessau gelten
für Schulklassen nach Angaben von
Sprecherin Franziska Blech ermäßigte Preise, so auch in der
Vorweihnachtszeit.
Bei dem beliebten Weihnachtsmärchen gebe es zudem mindestens eine
Vorstellung
für Kinder und Jugendliche, die aus einem sozial schwachen Umfeld
kommen. In
diesem Jahr werde das Stück «Die Weihnachtsgans
Auguste» gezeigt.
Auch
das Nordharzer Städtebundtheater bietet für Kinder
günstigere Eintrittskarten.
Außerdem hätten arme Familien die Möglichkeit,
Bildungsgutscheine zu bekommen,
sagte Theaterpädagogin Anja Grasmeier. Diese könnten die
Kinder dann zum
Beispiel für eine Theaterkarte eintauschen. An der
Landesbühne Eisleben
(Landkreis Mansfeld-Südharz) gibt es den Angaben zufolge
verschiedene Projekte,
wie das Theater im Klassenzimmer. Unter dem Titel «arm aber
sexy» führen
Schauspieler das Stück während einer Stunde in den Klassen 7
bis 12 auf. Es
handelt aus Sicht einer 16-Jährigen, wie die Gesellschaft mit
Armut umgeht.
Der Förderverein und die
Freundeskreise des Theaters Magdeburg
laden Sie herzlich ein zu einer Pressekonferenz am 25.10.2011 um 11
Uhr in der Makarenkoschule, Am Weinhof 6, 39106 Magdeburg, in der
das Projekt „Theaterpaten“ gemeinsam mit Lehrern vorgestellt wird.Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Die Freundeskreise
des Theater Magdeburg übergaben am 14.10.2011 die erste
Patenurkunde an die Schülerinnen und Schüler der
sechsten und siebten Klasse der Erich-Kästner-Schule. Sie kommen
damit in den Genuss einer theaterpädagogischen Vorbereitung auf
das Stück "Die
Geschichte
von
Lena" und besuchen kostenfrei am 7. November 2011
die Vorstellung im Schauspielhaus des Theater Magdeburg.
(von
links
nach
rechts)
Dörte Müller - Freundeskreis Ballett Magdeburg e.V.
Kristina Kenzler - Stellv. Schulleiterin der Erich Kästner Schule
Michel Redlich - Vorsitzender Freundeskreis Schauspiel Magdeburg e.V.
Pia Heim - Förderverein Theater Magdeburg e.V.
Petra Schubert - Freundeskreis Schauspiel Magdeburg e.V.